pic_180px_benzodiazepine>> substanz

Benzodiazepine (auch Benzos, Rohpies, Dias etc. genannt) sind rezeptpflichtige Medikamente, die als Entspannungs- und Beruhigungsmittel (Tranquilizer) oder Schlafmittel (Hypnotika) verschrieben werden, z.B. bei Depressionen, Nervosität, Wahnvorstellungen, Überlastung, Erschöpfung und Muskelverspannungen. Spuren von Benzodiazepinen sind auch in Pflanzen und Früchten enthalten, was die Wirksamkeit mancher traditioneller Heilmittel erklärt. Benzos kommen in Tablettenform vor, selten werden sie injiziert. Handelsnamen sind u.a. Tavor, Faustan und Diazepam. Benzos sind im Urin bis zu 6 Wochen nachweisbar. Sie sind die am häufigsten verordneten Arzneimittel. Sie haben ein starkes psychisches und körperliches Abhängigkeitspotential. Ca. 1,5 Mio. Menschen in Deutschland sind medikamentenabhängig, davon sind 70 % Frauen.

>> wirkung

Der Wirkstoff setzt an den Rezeptoren an und dämpft die Reizweiterleitung. Benzos wirken entspannend, angstlösend, beruhigend, schlafanregend, erregungs- und aggressionsdämpfend. Die Präparate unterscheiden sich in der Wirkung, der Schnelligkeit des Wirkeintritts, der Wirkdauer, der Art der Verstoffwechselung und der Dauer, die der Körper zum Abbau benötigt (Stunden bis Tage). Wirkungseintritt bei oraler Einnahme nach ca. 15 min, bei nasalem Konsum nach ca. 5 min und bei intravenösem Gebrauch nach ca. 0,5 min. Je nach Art der Substanz und Dosis hält die Wirkung 1,5 - 48 h an. Entzugssymptome können Schlafstörungen, Schmerzen, Stimmungsschwan-kungen, Unruhe und Angstgefühle bis hin zu Panikattacken sein. Selten treten epileptische Anfälle und Wahnvorstellungen auf.

>> nebenwirkung

U.a. Müdigkeit, Kopfschmerzen, Benommenheit, Niedergeschlagenheit, Muskelschwäche, Verdauungsbeschwerden, Schwindel und Nachlassen sexueller Bedürfnisse.

>> risiken

Bei einmaliger oder kurzzeitiger Einnahme zu therapeutischen Zwecken besteht i.d.R. kein Risiko (außer den o.g. Nebenwirkungen). Zu hohe Dosierungen können zu Gedächtnisstörungen, Müdigkeit, Niedergeschlagenheit, Stürzen, verminderter Reaktions- und Wahrnehmungsfähigkeit führen. Durch längeren Gebrauch kommt es zu Toleranzbildung, Gewöhnung und letztlich zu einer körperlichen und psychischen Abhängigkeit, außerdem können gefühlsmäßige Abstumpfung, verminderte Kritikfähigkeit, körperliche Abgeschlagenheit, Konzentrations- und Merkfähigkeitsschwierigkeiten auftreten. Bei abruptem Absetzen der Substanz kann es nach 2 - 3 Tagen zu massiven Entzugserscheinungen mit Angst, Anspannung, Zittern, Suizidneigung, Schlaf- oder Wahrnehmungsstörungen (Delirien) kommen, die bis zu 4 Wochen anhalten können. Weit verbreitet ist die sog. Niedrigdosisabhängigkeit, bei der über lange Zeit regelmäßig geringe Mengen genommen werden.

>> mischkonsum

Benzos + dämpfende Stoffe (Alkohol, Opiate, Antidepressiva etc.): lebensgefährliche Zustände möglich, z.B. Atem- und Herzstillstand. Benzos + illegale Drogen: nicht vorhersagbare Wechselwirkungen. Benzos + Alkohol: Gefahr der Überdosierung, da das Gefühl entsteht, dass man mehr Alkohol verträgt.

Es kann zu weiteren Wechselwirkungen mit hier nicht genannten Substanzen kommen.

>> safer use

Medikamente nie ohne Kenntnis der Neben- und Wechselwirkungen und ohne ärztliche Verordnung einnehmen. Benzodiazepine nie länger als
3 - 4 Wochen ohne Absprache mit dem Arzt einnehmen. Setze Benzos nicht dazu ein, dich hoch oder runter zu fahren oder um andere Drogenwirkungen auszugleichen. Nimm keine Benzos, wenn es dir schlecht geht oder um Alltagsstress zu lösen. Nimm Benzos nur im Notfall und nach ärztlichem Rat. Unter Benzos solltest du nicht Autofahren oder Maschinen bedienen. Meide Mischkonsum! Unterlasse die intravenöse Einnahme der Tabletteninhaltsstoffe, da es zu Venenverschlüssen führen kann. Setze dich mit deinem Substanzkonsum auseinander und suche dir am besten therapeutische Hilfe. Je länger du konsumierst, desto schwieriger wird es, wieder clean zu werden. Nimm keine Medikamente in der Schwangerschaft ohne Absprache mit dem Arzt, sonst kann es für das Neugeborene schlaffe Mus-keln, Atembeschwerden und einen gestörten Saugreflex bedeuten („floppy infant syndrom“). Während der Stillzeit sollte der Substanzgebrauch unbedingt vermieden werden, da das Baby über die Muttermilch mit den Wirkstoffen in Berührung kommt. Wenn du Benzos absetzt, solltest du dir dazu unbedingt ärztliche Hilfe holen.

>> was tun im notfall?

Bei Überdosierungen, massiven Nebenwirkungen oder Entzugserscheinungen unbedingt einen Arzt aufsuchen bzw. den Notarzt rufen. Du kannst Erbrechen hervorrufen, um deinen Körper von der Substanz zu befreien.

Diese Information ist keine Anleitung oder Motivation zum Konsum. Benzodiazepine sind verschreibungspflichtige Medikamente und unterstehen dem Arzneimittelgesetz.

 

 

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